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ROCKZONE in Liederbach

Mächtig, kräftig, gesalzen -Silence begeistert jugendliches Publikum


Wir geben zu: Bei unserer Anreise waren die Erwartungen nicht hoch. Silence? Nie
gehört. Zwar schwor Kathrin drauf, aber Georg warnte schon mal vor: “Das wird
doch eh’ wieder nichts...”

Die Skepsis war nach wenigen Takten verflogen und beim dritten Stück - die
Eigenkomposition “Help me out” - kamen die ersten Schreie der Begeisterung im
Publikum auf. Da war Dampf drin. Die spärliche Menge von kaum mehr als 100
Zuschauern begann zu vibrieren, zu tanzen, zu pogen. Schwer zu sagen, woran das
lag. Die vier Typen bringen zwar einigen Charme mit auf die Bühne, aber die
Riesenshowaffen sind sie nicht gerade.

Was da abging, war eine musikalische Kernspaltung aus Rhythmus- und
Sound-Molekülen mit einem ziemlich harten, leicht metallisch bis grungig
klingenden Kern. Der kam aber sehr klar und zusammenhängend rüber. Das Gehör hat
logischerweise etwas Krach in der Tüte, aber auch viel Freude in allen
Frequenz-Segmenten - angefangen beim Bass, den Pascal Iversen millimetergenau
und mit ausreichend Tiefdruck auf die Noten haut, über die beiden Gitarristen
aus dem Mangold-Clan, Lars und Hendrik, die das Saitenmaterial mit Energie,
Gefühl und Spaß traktieren, aber eben auch mit Präzision und Feuer, bis hin zum
Drummer David Iversen, der seine Palette von Song zu Song reibungslos
durchhämmert und die Breaks und Fill-ins scharf auf die Zwölf haut - da ist
keine sechzehntel Sekunde lang Gefahr, dass irgendeiner der vier den Vortrieb
verliert oder ein Song durchhängt.

Klar, manchmal werden die Kerle etwas sentimental, aber auch solche “ruhigen”
Sequenzen gehen in den Bauch. Da merkte man erst, dass man keine Anfängerbande
vor sich hat, sondern eine hervorragend eingespielte Musikerfraktion. Der
Zusammenhalt ist schon prächtig und lässt für die Zukunft noch einiges erwarten.

Das Programm war - gemischt. Die Band lieferte bei einigen Mitsing-Klassikern
wie “Smells like...” ordentliche Arbeit ab, ziemlich überraschend aber das
eigene Material. Die Kompositionen - da machte niemand eine Fragezeichen -
gehören eindeutig zu dem geschliffensten Material, was man von U16-Bands weit
und breit angeboten bekommt. Die eigenen Songs hatten alle Melodie, Struktur,
Bewegungstrieb. Kein Zweifel, die Band, weiß wo’s längs geht. Wenn ihr irgendwo
einen der Auftritte erwischen könnt - gehet hin und sperret die Ohren auf.

Wo waren wir stehen geblieben? Beim dritten Song? Gut. Ab da ging’s im Publikum
mit Freude weiter. Irgendwie faszinierte die Performance. Pascal verband das
Basszupfen mit Springmaus-Attacken, auch die anderen animierten das Publikum
nicht gerade zum Stillsitzen, aber das war alles nicht aufgesetzt und
eintrainiert. Die Leute drehten auf, die Band drehte auf - es war ein ziemlich
perfektes Konzert. Dabei hatte man den Eindruck, dass die Band relativ wenig
Applaus-Beiträge von der Königsteiner Fan-Clique mitgebracht hatte. Also ein
schweres Auswärtsspiel, das Silence souverän nach Hause brachte. Skeptiker Georg
fasste zusammen: “Das war doch mal ein positiver Ansatz.” Was bei ihm so viel
heißt wie “geil”.

M.K.
(Aus: ROCKZONE 1/06)

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